Alles was man so tut …

2022 – Schottland im Ganzen

Endlich ist es soweit. Unsere Tour durch Schottland, bereits für 2020 geplant, kann beginnen. Die Taschen sind gepackt, die Motorräder startklar, die Routen eingelesen. Und das Wetter spielt mit. Wir fahren mit Zelt, Isomatte, Schlafsäcken und hoffen in den nächsten drei Wochen auf schönstes Wetter zum campen. Wir wollen die 900km bis Amsterdam zur Fähre nach Newcastle in drei Tagen schaffen. Also arbeiten wir am heutigen Freitag nur bis Mittag und starten dann in Richtung Harz. Nach zwei Stunden auf Landstrassen machen wir Pause im Cafe im Pfarrhaus am Störmthaler See. Schon häufig bin ich dran vorbeigefahren, nun hat es geklappt. Danach folgen 100km Autobahnetappe, bis wir bei Roßla dann in den Harz eintauchen. Meine Lieblingsstrecke im Harz (Allrode-Treseburg-Blankenburg) ist gesetzt, wobei wir in Treseburg auch gleich im Restaurant eingekehrt sind. Nach einer weiteren Stunde kommen wir um 19Uhr in Hornburg an. Eine Stadt wie im Mittelalter, der gesamte Stadtkern besteht aus Fachwerkhäusern. Wir machen noch einen Stadtrundgang und sind wirklich begeistert. Schön, dass auch unsere Pension für die Nacht in einem solchen Haus am Markt verortet ist. ( Freitag, 17.06.22, trocken und sonnig, 26 bis 30 Grad)

Transferetappe in die Niederlande … Am Samstagmorgen sind wir von der Pension ins Cafe Zuckerblume gegenüber zum Frühstück gegangen und nachdem wir dann die Motorräder wieder bepackt hatten, war es schon gewaltig warm. Die Temperatur wird im Laufe des Tages bis 31Grad Maximum erreichen, aber heute fahren wir fast die gesamte Strecke von 370km auf größeren Fernverkehrsstraßen und Autobahnen, so dass es ein bißchen luftig wird. Wir fahren stetig in Richtung Nordwest, machen Rast in Nienburg an der Weser und dann später in Papenburg an der Meyer-Werft. Pünktlich 18Uhr rollen wir bei meiner Freundin Fokje und ihrem Mann Evert in der Nähe von Groningen in die Garage und stellen die Motoren ab. Heute Abend genießen wir die Gastfreundschaft der Beiden und plaudern über das gemeinsame Hobby Motorradfahren. ( Sonnabend, 18.06.22, trocken und sonnig, 26 bis 31 Grad)

Zur Fähre nach Ijmuden … Sonntags ist wenig los auf den Strassen, deshalb fahren wir ganz relaxt die 220km zur Fähre. Die Strecke hatte uns Fokje schon vorige Woche geplant, so dass wir uns hier auf Insiderwissen verlassen konnten. Über den Damm ging es wegen Baustellen etwas langsamer und auch die neuen Schleusenstrecken vor Ijmuden waren noch geschlossen, trotzdem waren wir pünktlich um 15:20Uhr am CheckIn und konnten praktisch sofort durchfahren. 15:45Uhr waren wir schon auf dem Schiff und konnten die Kabine beziehen, dann Duschen und kurze Zeit später startete unsere Fähre schon in Richtung Newcastle in Nordengland, wo sie Montag früh um 8:15Uhr ankommen wird. Nach einem wirklich reichhaltigen Abendbuffett machen wir es uns in unserer 2-Bett-Aussenkabine gemütlich und lassen die Vibrationen der Schiffsmotoren einschläfernd auf uns wirken. ( Sonntag, 19.06.22, trocken und bedeckt, nachmittags sonnig, 16 bis 19 Grad)

Von Newcastle bis Rosslyn … Die Überfahrt mit der Fähre war problemlos. Wir haben gut gefrühstückt, bevor sie in Newcastle ankam und wir von Bord fuhren. Durch Newcastle fuhren wir Autobahn, dann gings über kleine Singleroads bis Peebles und weiter nach Eddleton zur Polish Map of Scotland. War das eine tolle Motorradstecke heute. Ich bin überwältigt. Die Übernachtung heute und morgen haben wir in Rosslyn im Chapel Cross Guesthouse. Und weil es gleich im Ort ist, sind wir am Abend noch zur Rosslyn Chapel gegangen, um ein paar Fotos zu machen. (Montag, 20.06.22, trocken und sonnig, 16 bis 20 Grad)

Citywalk in Edinburgh … Für heute ist eine Stadtbesichtigung in Edinburgh geplant. Mit den Motorrädern fahren wir die 15km von Rosslyn ins Centrum von Edinburgh und parken auf der George-Street, direkt vor dem Hard-Rock-Cafe gibt es Motorradparkplätze. Von dort ist es nur ein Katzensprung zur Royal Mile. Dieser folgen wir vom Edinburgh Castle im Westen zum Holyrood-Palace im Osten. Zwischendurch schauen wir immer mal in die engen Gassen links und rechts der Royal Mile, die meiste Zeit aber nehmen wir uns für die St. Giles Cathedral und Greyfriars Kirkyard. (Dienstag, 22.06.22, trocken und bedeckt, 17 bis 20 Grad)

Wassergeist und Wasserrad … Unsere heutige Etappe führt uns von Rosslin, südlich von Edinburgh, über Falkirk und Glencoe nach Fort William. Es ist wieder trocken, wenn auch nur 17 Grad. Zuerst fahren wir Autobahn, nur raus aus dem städtischen Trubel. Als wir uns Falkirk nähern, fällt uns der Wegweiser zu den Kelpies auf. Die wollen wir sehen, also biegen wir dahin ab. Danach fahren wir zum Falkirk Wheel und sitzen beim Kaffee und schauen dem Umsetzen der Schiffe auf dem Kanal zu. Dann endlich sind wir auf dem Weg durch den Loch Lomond & The Trossachs National Park nach Fort William. Unsere Übernachtung für die nächsten drei Tage ist The Brevins Guesthouse in Fort William. (Mittwoch, 22.06.22, trocken und bedeckt, 14 bis 17 Grad)

Rail strikes by the West Coast Railways … Schon bei Planung der Schottlandreise war klar: wenn wir in Fort William sind, wollen wir eine Fahrt mit dem Jacobite Steam Train nach Mallaig über das Glenfinnan-Viadukt machen. Micha als Fan der Harry-Potter-Geschichte hatte sich sofort dafür begeistert, als ich es vorschlug. Die Tickets dafür hatten wir rechtzeitig gebucht, natürlich First Class, auch die Übernachtung am Startort war klar. Durch Corona mussten wir zweimal alles umbuchen und neu aufeinander abstimmen. Nun stand der Termin fest, am 23.Juni sollen wir den Zug besteigen. Was sollte da nun noch schiefgehen? Haben wir uns gedacht und nicht mit den Realitäten des Lebens gerechnet. Ein Bahnstreik. Genau am Tag unserer Zugfahrt. Was für ein Pech. Und alle Karten zum Umtausch bis Ende August ausverkauft. Natürlich bekommen wir unser Geld wieder, aber Trost ist das nicht. Auf Grund dieser Misere fahren wir nun mit den Motorrädern zum Viadukt und machen Fotos ohne den Jacobite Steam Train. In Anschluss fahren wir eine Tour über die Halbinsel zur Burgruine Tioram Castle, welche auf einer kleinen Felseninsel liegt und bei Ebbe erreichbar ist. Nach einer Kaffeepause im Tioram Cafe queren wir Loch Eil mit der Fähre und sind gegen 16Uhr bei schönstem Sonnenschein in Fort William zurück. (Donnerstag, 23.06.22, trocken, vormittags bedeckt bei 17Grad, nachmittags eitel Sonnenschein bei 20Grad)

Glen Etive und Muggelexpress … Micha hat sich erkältet und heute das Motorrad stehen lassen. So bin ich allein eine Runde ins Glen Etive gefahren. Das Glen Etive ist ein wunderschönes Seitental des Glen Coe mit einer Single Track Road von ca. 20km und berühmt durch die Szene in James Bond Skyfall. Bei schönstem Wetter um 25Grad war die Fahrt ein Erlebnis, die Natur atemberaubend.

Währenddessen konnte Micha mit etwas Flohpulver (Harry-Potter-Fans kennen das…) die Freizeit nutzen und durch den Kamin direkt in die Lok des Jacobite-Hogwarts-Express reisen. Ein inzwischen eher seltenes Erlebnis, sich eine befeuerte Dampflok -Baujahr 1945- kurz vor deren Abfahrt anschauen zu können.

Culloden Battlefield … Einen Tag später bin auch ich erkältet. Motorradfahren geht nur mit Ibu und am Abend bin ich ziemlich erledigt. Heute sind wir von Fort William die östliche Strecke am Loch Ness vorbei nach Dornoch gefahren. Auf dem Weg haben wir einen Abstecher zum Culloden Battlefield gemacht. Hier im Moor endete der Jacobitenaufstand 1746 gegen die Engländer mit einer Niederlage der Schotten. Eine alte Hütte mit Reetdach steht mitten im Feld. Das ist Leanach Cottage. Sie wurde vermutlich im frühen 18. Jahrhundert erbaut, was bedeutet, dass sie während der Schlacht schon hier gestanden haben könnte. Sie ist 2018 komplett renoviert worden und kann besichtigt werden. (Samstag, 25.06.22, erst 14Grad und Nieselregen, später 21Grad sonnig)

Most Northern Point of Mainland Britain … Nach einer durchhusteten Nacht starten wir heute an der Kathedrale von Dornoch in Richtung „most nothern Point of Mainland Britan“, der ist in Dunnet Head vermerkt. Dann in John o’Groats buchen wir die Fährtickets auf die Orkneys für morgen. Und erst danach machen wir uns auf die Suche nach der für die nächsten drei Tage gebuchten Unterkunft. Aber an der bei booking.com angegebenen Adresse war partout kein Hotel oder B&B oder ein Ferienhaus zu finden. Ein Anruf bei der angegeben Telefonnummer ergab eine Bandansage. Im Verkaufsbüro der Fährgesellschaft empfahl uns die nette Verkäuferin, im nahe gelegenen Hotelkomplex zu fragen. Und wirklich, als wir dann nach weiteren Irrläufern endlich auf die Hotelmanagerin trafen, stellte sich heraus, dass wir in vorderster Linie zur See mit Blick auf den Fährhafen ein Luxusappartement gebucht haben. Das muss wohl zum offerierten Preis vom Anbieter ein Versehen gewesen sein, aber uns solls recht sein. (Sonntag, 25.06.22, sonnig bei 17 bis 20Grad, sehr windig)

The great Tour on the Orkneys … Endlich einen Sonnenaufgang anschauen. Heute wird ein motorradfreier Tag und es ist das beste Wetter aller Zeiten, sonnig bei 15Grad. Pünktlich 8:45 startet die Fähre von John o’Groats über den Pentland Firth an die Südspitze der Insel South Ronaldsay. Nach 40min. Überfahrt kommen wir an und ein Luxusreisebus erwartet uns schon. Was sehen wir heute alles? Hier nur mal eine Aufzählung, die weitere Beschreibung ergänze ich am Ende des Blogs. Die Churchill Barriers, die Hauptstadt Kirkwall mit St.-Magnus-Kathedrale, den Naturhafen Scapa Flow mit Kriegsgräberstätte, die Stadt Stromness, das Steinzeitdorf Skara Brae, den geheimnisvollen Ring of Brodgar, die Standing Stones of Stennes, die italienische Kapelle. Als wir abends um 18Uhr mit der Fähre zurückschippern, glänzt die Sonne über dem Wasser und taucht alles in silbernen Schleier.

Die Churchill Barriers und Scapa Flow: Scapa Flow ist ein perfekter Naturhafen und diente der Royal Navy deshalb während beider Weltkriege im Kampf um den Nordatlantik als Ankerplatz. Am 14.Oktober 1939 wurde das vor Anker liegende britische Schlachtschiff HMS Royal Oak mit zwei Torpedos von dem deutschen U-Boot U 47 getroffen. 835 Männer starben. Daraufhin ordnete Winston Churchill den Bau der Dämme an, um den östlichen Zugang zu Skapa Flow zu versperren. Dabei wurden mehr als 66.000 schwere Betonblöcke gesetzt, vorwiegend durch italienische Kriegsgefangene.

Steinzeitdorf Skara Brae: dies ist das besterhaltene Steinzeitdorf in Westeuropa, es ist älter als Stonehenge. Es ist deshalb so gut erhalten, weil es Tausende von Jahren unter den Sanddünen lag, bis 1850 ein schwerer Sturm den Sand und die Erde hinwegfegte, mit denen es bedeckt war, und mehrere der Behausungen freilegte.

Ring of Brodgar: ist der drittgrößte Steinkreis in Grossbritannien und entstand wahrscheinlich um 2900 v.Chr., zur selben Zeit, als Skara Brae bewohnt war. Ursprünglich bestand er wahrscheinlich aus 60 Megalithen, von denen heute jedoch nur 27 erhalten sind.

Standing Stones of Stennes: sind weniger spektakulär als der Rinf of Brodgar, weil nur wenige der ursprünglichen 12 Steine erhalten sind. Möglicherweise ist dies jedoch der älteste Steinkreis in Britannien. Mit 6 Metern Höhe sind die Steine wesentlich größer als im Ring of Brodgar. Sie stammen aus der Zeit um 3100 v.Chr., also aus der Zeit der Erstbesiedelung von Skara Brae.

Italian Chapel: die meisten der italienischen Kriegsgefangenen, die beim Bau der Churchill Barriers halfen, waren im Lager Nr. 60 auf der kleinen Insel Lamb Holm untergebracht. Unter ihnen war ein Mann namens Domenico Chiocchetti, der die Idee zum Bau einer Kapelle hatte, in der er und seine Mitgefangenen gemeinsam beten und aus der Religion Kraft schöpfen konnten. Sie bauten die italienische Kapelle aus zwei Nissenhütten, arbeiteten nur mit ganz einfachen Materialresten, bemalten sorgfältig die Wände im Innenraum und vollendeten ihr Werk mit geschmiedetem Eisen und buntem Fensterglas. Die Menschen auf den Orkney-Inseln behandelten die italienischen Kriegsgefangenen freundlich. Domenico kehrte schließlich 1964 mit Kunstgegenständen zurück, die er der Kapelle stiftete. 1992 kamen wieder acht der ehemaligen Gefangenen zu Besuch, doch Domenico war aus gesundheitlichen Gründen nicht unter ihnen. Domenico ist 1999 verstorben, doch sein Vermächtnis lebt weiter.

Wanderung um Duncansby Head … Das wird heute ein zweiter (fast) motorradfreier Tag. Nur für die Anfahrt zum Duncansby Head nutzen wir die Motorräder, danach geht’s auf zur Wanderung. Klar haben wir die Hoffnung, Puffins zu sehen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass wir wirklich welche zu sehen bekommen, ist eher gering. Es ist recht stürmisch mit 35kmh Windstärke, hier oben am Cliff wohl eher noch mehr, so dass wir uns in unsere Jacken und Kapuzen einmummeln. Es gibt viel zu sehen, hektisches Geflattere an den Felsklippen, aber hauptsächlich halten wir nach Puffins Ausschau. Als ich dann wirklich einen entdecke, sitzt er direkt vor mir. Wir bleiben noch ein wenig und schauen dem Treiben zu, letztendlich sind es mehrere Puffins, die hier zusammen nisten, ehe wir weiterwandern und nachmittags an der Unterkunft zurück sind. (Dienstag, 28.6.22, 15Grad, wolkenverhangen, trocken)

North Coast 500 … Wenn ich vor der Reise von unseren Schottlandplänen erzählte, wurde ich oft gefragt, ob wir denn auch die NC500 fahren wollen. Ich habe es immer bejaht, ohne recht zu wissen, was das Besondere an der NC500 ist. Die North Coast 500 ist eine Auto-Route durch die Highlands von Schottland und soll in einer Runde die Küsten, Natur und Sehenswürdigkeiten Von Schottlands Norden bekannter machen. Sie startet in Inverness und über eine Entfernung von mehr als 500 Meilen führt sie entlang der Ost, – Nord- und Westküste, ehe sie quer durch das Landesinnere wieder nach Inverness zurückkehrt. Wir sind heute zum zweiten Mal von der Route der NC500 abgewichen, ganz einfach, weil uns die SingleRoads im Inland besser gefallen als in der Runde, auf welcher alle Touristen unterwegs sind und wo man ständig stop and go fährt (stoppen an den Ausweichbuchten, weiterfahren bis zum nächsten entgegenkommenden Van/Trailer, stoppen, weiterfahren usw.). Da halten wir uns auch mal an die kleinsten Strassen abseits der NC500. Außerdem hat uns heute der erste richtige Regenschauer im Urlaub ereilt, wenn auch nur eine Stunde und auch erst am Ende unserer Tagestour. Da hatten wir die Besichtigung der Smoo Cave schon hinter uns und sind gerade ins Landesinnere abgebogen. Heute haben wir eine Ferienwohnung im Örtchen Lairg und kochen selbst. (Mittwoch, 29.06.22, erst bedeckt bei 15Grad, dann sonnig bei 18Grad, später Regenschauer bei 14Grad, dann wieder sonnige 17Grad)

Applecross und Bealach na Bà … Eine abgeschiedene Halbinsel im Westen Schottlands, mit überwältigender Natur und wilder Bergkulisse und mittendrin das kleine Örtchen Applecross. Die Fahrt dorthin gehört zu unseren eindrucksvollsten Erlebnissen. Einsame Lochs, windgepeitschte Buchten mit türkisblauem Meer, steil aufragende Berge, Applecross gehört zu den wildesten Plätzen in den Highlands. Die Anfahrt zum Ort Applecross ist von beiden Seiten nicht gerade einfach. Von Osten her geht es über einen der steilsten und schwierigsten Pässe, dem Bealach na Bà, dem „Vieh-Pass“, der höchste durchgehende Anstieg einer Straße in Großbritannien. Teilweise sind bis zu 20 Prozent Steigung zu bewältigen, je nachdem von welcher Seite man ihn befährt. Hinauf führt eine alte Singletrack Road, die schon bessere Zeiten gesehen hat. Wir sind gegen 17Uhr über den Pass gefahren, als nur noch sehr wenige Autos unterwegs waren und hatten ganz viel Spaß. (Donnerstag, 30.06.22, erst bedeckt und 15Grad, ein leichter Schauer von 15min, ab Mittag sonnig bis 19Grad)

Mit der Glenelg-Skye-Ferry auf die Isle of Skye … In Strathcarron haben wir uns vom (übrigens gut deutsch sprechenden) Wirt Richard verabschiedet und sind über Eilean Donan Castle dann mit der Glenelg-Skye Ferry auf die Isle of Skye geschippert. Die Glenelg-Skye-Ferry ist die letzte ihrer Art. Eine Autofähre, deren Deck gedreht wird – von Hand. Die Fähre legt stets von seitlich vorne an, hinten ist ja das Führerhäuschen. Damit die Autos nicht rückwärts herunterfahren müssen, drehen die Fährleute den Teller einfach um 180 Grad herum, per Hand. Den Drehteller in Aktion zu erleben und vor allem die An- und Abfahrt über die Passstraßen durch eine sensationelle Landschaft fügt sich dank dieser kleinen Fähre im schottischen Nirgendwo zu einem wunderschönen Erlebnis. Mit einigen kleinen Abstechern links und rechts der Hauptroute kommen wir gegen 17Uhr am Ziel an. Heute und morgen übernachten wir in Glendale, ganz weit im äußersten Westen der Isle of Skye. (Freitag, 01.07.22, erst 13Grad bewölkt, später 15Grad sonnig, den ganzen Tag trocken)

Isle of Skye … Heute nehmen wir uns Zeit, die Isle of Skye in ihrer ganzen Schönheit zu erfahren. Zuerst machen wir einen Abstecher zum Neist Point Lighthouse, aber da es heute morgen noch nieselt, verzichten wir auf die kurze Wanderung zum Cliff. Weiter geht es nach Uig zum Fairy Glen. Das Fairy Glen ist einer der wunderschönsten Orte auf der Isle of Skye. Danach fahren wir über die Hochebene von Uig zum Viewpoint auf den Quiraing, der ist der nördlichste Kamm des Gebirges von Trotternish. Die gesamte Halbinsel besteht aus einer langen und flachen Bergkette, die im Osten der Insel schroffer abfällt als im Westen. Im Abschluss fahren wir die Runde an der Nordküste, schauen uns das Museum of Island Life an. Dunkle, strohgedeckte Häuser ducken sich in die Landschaft von Skye. In ihrem Inneren ist es eng und es riecht nach Torffeuer. Das Skye Museum of Island Life zeigt seinen Besuchern eindrücklich, wie das Leben vor hundert Jahren hier war. Gleich nebenan auf dem Friedhof ist das Grab von Flora McDonald, Heldin der Highlands. Nach dem geschichtlichen Abstecher machen wir uns auf den Weg nach Portree und ehe wir wieder in unserem Bed&Breakfast ankommen, fahren wir noch nach Dunvegan, aber leider hat das Castle schon geschlossen. (Sonnabend, 02.07.22, 15Grad ganztags, erst Nieselregen, dann bedeckt, am Abend sonnig)

Transfer in die Cairngorm Mountains … Wir verlassen die Isle of Skye und haben dabei einen regnerischen Start. Eigentlich wollten wir noch einen Blick auf die Black Cuillins, die geheimnisvollen schwarzen Berge von Skye werfen und sind deshalb in den Stich nach Glenbrittle eingebogen. Schon nach einigen Kilometern war klar, da ist alles so vernebelt, da gibts nichts zu sehen. Sehr schade, aber wir kehren um. Einen Fotostop legen wir an der Sligachan Bridge, einer alte Steinbrücke mit drei Bögen über dem Sligachan River ein. Dann geht es ostwärts, denn unser nächstes Ziel sind die Cairngorm Mountains. Einen zweiten Fotostop legen wir dabei in Carrbridge ein. Die Old Packhorse Bridge ist die älteste Steinbrücke in den Highlands. Dann erreichen wir unser heutiges Tagesziel, Boat of Garten. Am Abend gehen wir ganz lecker essen im gehobenen Restaurant und entdecken danach bei einem Rundgang den schönen kleinen Bahnhof von Boat of Garten, der noch immer mit alter Technik betrieben wird. Hier verkehrt noch immer eine Museumsbahn. (Sonntag, 03.07.22, regnerisch bei 14Grad, später trocken und kühl bei 15Grad)

Von Nord nach Süd durch die Cairngorm Mountains … Von Boat of Garten starten wir morgens bei 10Grad. Kurze Zeit später sind wir schon mitten in den Skigebieten und bei 8Grad und Regen scheint die Vorstellung von Winter nicht schwer. Einzig die leeren Strassen entschädigen für das schlechte Wetter. Durch das bergige Herz der Highlands führt die höchste öffentliche Straße Schottlands, die Snow Roads Scenic Route. Auf 670 Metern über dem Meeresspiegel liegt der höchste Pass. Somit führt sie über die höchste öffentliche Straße in Großbritannien. Dazwischen verläuft sie in typischen Highland-Tälern vorbei an einigen berühmten Burgen und Schlössern. Bei Balmoral ist selbst der Parkplatz für die Schlossbesucher ziemlich leer. Das Schloss selbst kann man vom Parkplatz nicht sehen, also kein Schnappschuss möglich. Wir machen lieber eine kleine Wanderung zur Balmoral-Pyramide. Das geht steil bergan und ist in den Motorradklamotten doppelt anstrengend. Ein Kaffeestop in Pitlochry und schon sind wir am Tagesziel in Blackford angekommen. (Montag, 04.07.22, Regen bei 8 bis 14Grad)

Mull of Kintyre … Diesen Song von Paul McCartney haben wir im Ohr, als wir uns heute aufmachen, die vielbesungene Halbinsel zu erfahren. Auf dem Weg dorthin machen wir halt in Auchindrain und begeben uns auf Zeitreise durch ein verlassenes Highlanddorf. Als 1967 auch der letzte Bewohner sein Haus verließ, stand hier immer noch ein fast intaktes Dorf, wie es in ganz Schottland einzigartig war. Schon 1968 wurden die Gebäude zu einem Freiluftmuseum, heute stehen zwölf der 22 Gebäude den Besuchern offen.

Jetzt sind wir schon auf Mull of Kintyre, aber wir wollen bis zum südlichsten Zipfel, dem Kintyre-Lighthouse. Als wir die letzten Kurven auf dem engen Track nehmen, beginnt es zu nieseln, der Regen zieht ins Land. Schnell noch ein paar Schnappschüsse, dann auf die Motorräder und die letzte Etappe zu unserem heutigen B&B in Angriff genommen. In der Unterkunft dürfen wir am Abendessen teilnehmen, wunderbar, denn wir haben seit dem Morgen nichts gegessen und auch nichts dabei. Und im Ort Carradale haben wir kein Restaurant gefunden. Vor der Dämmerung machen wir noch eine Ortserkundung, dann begeben wir uns zur Nachtruhe. (Dienstag, 05.07.22, trocken bei 15Grad, am Nachmittag sonnig bei 17Grad)

Typisches schottisches Wetter … Jetzt hat es uns eingeholt. Es regnet schon die ganze Nacht. Und auch am Morgen. Heute haben wir zwei Fährüberfahrten dabei und beide Male auf der Fähre hoffen wir, dass es auf der anderen Seite nur nieselt. Keine Chance, der Regen wird immer stärker, wir müssen unsere Strecke durch den Murshiel Country Park abbrechen und wählen den kürzesten Weg zum gebuchten Hotel. Solch einen typischen Regentag hatten wir schon befürchtet und glücklicherweise hatten wir auf der heutigen Fahretappe keine Sehenswürdigkeiten eingeplant. Es sollte ein Tag zum Landschaft schauen sein. Nun ja, von Landschaft war nun wirklich gar nichts zu sehen. Dafür schlagen wir dann beim Abendessen im Hotel und in der Bar zu. (Mittwoch, 06.07.22, 14Grad und Regen ganztägig)

Galloway Forest National Park … Heute morgen war vom gestrigen Starkregen nichts mehr zu sehen, es war trocken bei 15Grad und wurde im Laufe des Tages immer wärmer und sonniger. Mittags haben wir sogar unsere Aussenjacken in die Koffer gepackt und sind bei 24Grad nur mit Sommerjacke gefahren, das hatten wir zuletzt vor 14 Tagen, als wir gerade die ersten Tage in Schottland waren. Heute wollen wir nur durch den Galloway Forest National Park fahren und die Landschaft in uns aufnehmen. Deshalb fahren wir heute ausschließlich kleinste Singletrackroads. Darunter auch nochmal die schöne Strecke vom ersten Tag, als ich von der Landschaft nur so ins Schwärmen kam. Nach 300km kleiner Strassen kommen wir um 17Uhr in der Nähe von Carlisle an, wo wir die letzten drei Übernachtungen im Graham Arms Inn gebucht haben. (Donnerstag, 07.07.22, sonnig und trocken bis 24Grad)

Lake District … Es gibt eine Region in Nordengland, die hat sie alle zum Schwärmen gebracht, die Poeten, Dichter, Schriftsteller und Romantiker Englands: der Lake District. Der Anblick der kargen, schroffen Berge, der Heidekrautpflanzen, die sich gegen den Wind an den Fels klammern, der dunklen Seen und der Schafe, die sich zum Schutz gegen das raue Wetter in ihr zottiges Fell kuscheln, kann einem schon einmal die Sprache verschlagen. Dieser Landschaft wohnt ein Reiz inne, den man mit der Schönheit von Schottlands Highlands sehr gut vergleichen kann. Und dorthin machen wir heute eine Tagestour. Und unbedingt ohne Gepäck, weil wir einige Pässe befahren, auf denen man nur auf Singletrackroads vorankommt. Zuerst befahren wir den Kirkstone Pass und erreichen dabei den höchsten Punkt im Lake District mit 454m. Danach überqueren wir den Wrynose Pass (mit 393m). Von Osten her ist der Pass ein veritabler Kniebrecher, und auch von Westen her hat er eine Lake-District-typische Maximalsteigung von 20 %. Als Höhepunkt des heutigen Tages befahren wir danach den Hard Knott Pass (383m). Der Pass gilt gemeinhin als der schwerste der vielen im allgemeinen recht niedrigen Übergänge Großbritanniens. Und zwar wegen der hohen Durchschnittssteigung. In der Spitze hat der Hard Knott Pass auf beiden Seiten 30 % Steigung. Allerdings passen nur an wenigen Stellen zwei Fahrzeuge aneinander vorbei und wir waren froh, dass nicht viele unterwegs waren. Schmale Singletrackroads, schlechter Asphalt, uneinsehbare Kurven, starker Anstieg … all das macht diesen Pass zu einer Herausforderung. Für mich der schwierigste Pass, den ich bisher gefahren bin. Da sind die Pässe in den Alpen ein Kinderspiel dagegen. Zu guter Letzt fahren wir noch über den Honister Pass. Neben seiner Passhöhe liegt die letzte noch operierende Schiefermine Englands. Meiner Meinung nach ist der Honister Pass mit 25% Steigung von der Schwierigkeit her die Nummer Drei des Lake Districts nach dem Hard Knott Pass und dem Wrynose Pass. Auf dem Heimweg finden wir in Bassenthweite ein nettes Lokal und essen gleich zu Abend. Nach 284km sind wir 19Uhr im Hotel zurück. (Freitag, 08.07.22, wechselnd bedeckt und sonnig um 18 bis 22 Grad)

Yorkshire Dales – Unsere letzte Tagestour in Grossbritannien führt uns durch die North Pennines und durch den Yorkshire Dales Nationalpark. Die North Pennines sind das nördliche Ende des Gebirgszuges der Pennines, die Landschaft ist von Heide und Mooren geprägt. Als Yorkshire Dales werden die Flusstäler im mittleren Teil des Gebirgszuges der Pennines in Nord-England zusammengefasst. Wieder ist heute so ein schöner, sonniger Tag, wie er besser nicht sein kann. Wir schauen Landschaft. Und die lässt sich nicht lumpen, hinter jedem Gebirgszug eröffnen sich neue traumhafte Fotomotive. Ein perfekter Tag. Wir sind bis 17 Uhr unterwegs, dann kehren wir zum Abendessen im Duke of Cumberland ein, wobei wir bei 23 Grad draussen in der Sonne sitzen.

Wieder zur Ferry nach Newcastle upon Tyne … Der letzte Tag in Grossbritannien ist angebrochen und das Wetter verabschiedet uns mit allem, was es aufzubieten hat. Die verbliebenen Kilometer bis Newcastle sind schnell geschafft, noch ein letzter Stopp im Tearoom, dann sind wir an der Fähre. Einchecken, Motorräder verzurren, Kabine beziehen, ein Getränk in der Sky Bar ordern und die Sonne genießen. Ab 18Uhr haben wir Abendessen am Buffett.

Heimwärts Etappe1 bis in den Harz … Pünktlich kommt das Fährschiff in Ijmuden an und wir starten heimwärts. Die ersten 300km fahren wir auf der Autobahn, ab Porta Westfalica fahren wir dann auf Fernverkehrsstrassen bis in den Harz. Nach etwas mehr als 500km ist um 18:30Uhr Schluss und wir checken im Hotel Bergblick in Hohegeiß ein.

Heimwärts Etappe2 bis nach Dresden … Sonnenschein lockt uns zum Frühstück. Danach sind die Sachen schnell gepackt und aufgeschnallt. Durch den Harz fahren wir eine uns bekannte Strecke, dann 100km auf der A38 umfahren wir Leipzig im Süden und ab Störmthal bewegen wir uns auf Fernverkehrsstrassen. Eine Kaffepause in Grimma und so sind wir gegen 15:30Uhr zu Hause.

Fazit: Insgesamt sind wir in den 26 Tagen 5800km gefahren und haben 4 motorradfreie Tage eingebaut. Die Unterkünfte in B&B oder Hotel haben wir ein oder zwei Tage im voraus gebucht. Vom Wetter her haben wir echt Glück gehabt, nur einen Tag hat es durchgängig stark geregnet, an zwei Tagen hat es den halben Tag leicht geregnet und an den restlichen Tagen war es trocken, oft bedeckt bei 15 Grad, aber auch sonnig bei 20 bis 22 Grad. Wir hatten auch alles zum Zelten dabei, aber in Schottland haben wir kein aufgebautes Zelt gesehen, nur weiße Ware auf den Caravan-Stellplätzen. Und insgesamt war es uns nicht warm genug zum Zelten. Durchschnittlich haben wir ca. 100£ für ein Doppelzimmer bezahlt, sowohl für die Zimmer im Hotel als auch für die Zimmer im B&B. Unsere Motorräder haben gut durchgehalten und alles klaglos mitgemacht. Die Landschaft in Schottland ist eine Wucht. Absolut begeisternd. Dafür lohnt sich eine Reise immer wieder.


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